Ein hoffnungsloser Fall?

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Ein hoffnungsloser Fall?

Post Number:#1  Ungelesener Beitragvon dogmai » Sa 16. Dez 2017, 14:55

Ich bin ja nicht der Erste, der das von mir behauptet :baeh . Aber ich fühle mich gerade in diesem Forum so, denn meine Auffassung von Fotografie und Fotos ist eigentlich das, wovor hier stets gewarnt wird. Naja, zumindest wirds angemerkt. Wobei ich das dem Forum nicht anlaste oder gar vorwerfe.

Mir fehlt völlig das Verständnis für die Schönheit von Fotos, wie sie alle anderen sehen. Mir ist es z.B. egal, ob das Wasser in einem Fluss nach links oder nach rechts aus dem Bild läuft. Mich interessiert nur das Wasser, und auf dem Bild bleibt es ja stehen. Warum also muß das Wasser waagerecht sein?

Man hat mir schön öfter gesagt, daß ich ein Mittenfotograf bin. Also mein Hauptobjekt ist immer (oder zumeist) in der Bildmitte, zentral. Das ist für mich halt wichtig, die Kirche gefällt mir, also rücke ich sie in den Mittelpunkt. Der Brunnen gefällt mir, also mittenrein. Das Mädel gefällt mir.................. Warum soll ich denn das Drumherum zeigen und alles auf Seite schieben, was mir wichtig ist?

Es hat sich eingebürgert, daß besonders bei Landschafts- und Naturfotos immer ein Rahmen gemacht wird. Mal sind es Zweige, die am oberen Bildrand zu sehen sind, mal ein Baum, der den linken Rand bildet. Ich frage mich immer zuerst - wo hat er denn gestanden bei der Aufnahme? Für mich ist das Objekt der Mittelpunkt s.o.

Raffinierte Schatten, Lichspiegelungen, gewollte Unschärfen....mich stört dabei manchmal und vieles. s.o.

Mir fällt auch bei einem Foto nicht auf, was da verbessert werden könnte oder müßte. Mal aufhellen, mal nachschärfen, ja das sehe sogar ich. Aber mit Bildbearbeitung tue ich mich schwer. Ich müßte zuerst lernen was es überhaupt ist: Farbtemparatur, Spitzlicht, Fülllicht, SL-Bereich, Sättigung, Vibrance..............das Bild ist halt so, wie es ist. Was fehlt mir?

Ich habe jetzt mehrere Programme installiert, habe GIMP, HDR Projects 4, FaceFilter, Corel After Shot 3, die Nik Collection und noch ein paar. Sie machen mir nur Angst.

Mit meiner HS20 von Fuji habe ich erstmals Kontakt mit dem RAW-Format (dort heißt es RAF wie die frühere Terrormiliz) erhalten. Das war so eingestellt, daß jedes Foto im JPG und im RAF-Format aufgenommen wurde. Erstmal hat mich das eine Menge Speicherplatz gekostet. Dann erfuhr ich, daß man damit seine Fotos noch hervorragend verbessern könne. Ich habe aber nie erfahren, wies geht. Und so speichere ich fleissig auch diese RAW-Formate mit ab, irgendwann könnte mich ja der Geist mit seiner Erleuchtung überfallen, und es wird noch was draus. Uns Speicherplatz kostet ja nicht, hab noch ca 800 GB frei auf meiner Fotopartition.

Es kann aber auch nicht alles schlecht sein, was mir so aus der Linse fällt. In einem Anfang des Jahres herausgebrachten Buch über die Festung Ehrenbreitstein erschienen auch 7 Fotos von mir, in der nächsten Ausgabe eines Stadtmagazins von Koblenz werden auch ein paar Fotos von mir aufgenommen. Nicht, daß die was dafür gezahlt hätten, aber mein name steht drunter.

Was fehlt mir also wirklich? Nachdem ich mal wieder meine Fotos gesichtet habe und auch doppelte und sehr unscharfe eliminierte, bleiben z.B. von Thailand immer noch 120 000 Bilder in meinem Archiv. Jo, nicht alle gefallen mir, aber das was drauf ist möchte ich nicht missen. Ich gucke und erinnere mich. Und obwohl ich mir ein schlechtes Gedächtnis antrainiert habe, weiß ich bei 75 % der Fotos spontan, was und warum ich es geknipst habe. Und freue mich.

Vielleicht, wenn ich nochmal Ehrgeiz entwickele, frage ich einen Freund, ob ich an einem seiner Fotolehrgänge teilnehmen kann. Er ist Berufsfotograf, Lehrbeauftragter für „analoge Photographie“ an der Universität Bonn und gibt mir vielleicht einen Preisnachlass. Aber ob mir das dann die Erleuchtung bringt, den Blick fürs Motiv und die Gestaltung, das technische Wissen über die tausend Einstellungen, die selbst meine Bridgeknipse hat...das weiß ich nicht. Ich muß ja auch mal daran denken, daß ich mit meinen 71 Lebensjahren nicht mehr sehr tief in diese Geheimnisse eindringen kann. Und wenn - habe ich dann noch genügend Zeit, mir die Ergebnisse genüßlich anzuschauen?

Ich bin ja neugierig, möchte schon mal wissen, wie Eingeweihte über meine Fotos denken. Und Kritik bringt mich nicht zur Verzweiflung, sondern spornt auch mich an. Deshalb beteilige ich mich auch gerne hier, an Themen, zeige gerne Fotos wie jetzt gerade in meinem Thailandthread. Ich bin auch froh, daß ich jemanden habe, der mich individuell berät.

Vielleicht bin ich deswegen doch kein hoffnungsloser Fall. Vielleicht nur ein Träumer. Der von schönen Fotos träumt, der bei der Betrachtung von Fotos eindringen kann in die Vergangenheit, für den Fotos manchmal für Sekunden wieder lebendig werden. Der beim Fotoschauen träumen kann, auch mal wehmütig wird. Dann hat es sich gelohnt, daß ich Fotos mache. Und dann wird auch einmal ein unscharfes Foto von einem beifahrenden Affen, einhändig während der Fahrt aufgenommen, eine Aha-Wiederholung.

Ich habe fertig :danke
Zuletzt geändert von dogmai am Sa 16. Dez 2017, 15:18, insgesamt 5-mal geändert.
Herzliche Grüße aus Ehrenbreitstein
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Re: Ein hoffnungsloser Fall?

Post Number:#2  Ungelesener Beitragvon inku » Sa 16. Dez 2017, 17:04

...Vielleicht bin ich deswegen doch kein hoffnungsloser Fall. Vielleicht nur ein Träumer. Der von schönen Fotos träumt, der bei der Betrachtung von Fotos eindringen kann in die Vergangenheit, für den Fotos manchmal für Sekunden wieder lebendig werden. Der beim Fotoschauen träumen kann, auch mal wehmütig wird. Dann hat es sich gelohnt, daß ich Fotos mache. Und dann wird auch einmal ein unscharfes Foto von einem beifahrenden Affen, einhändig während der Fahrt aufgenommen, eine Aha-Wiederholung.

Ich habe fertig :danke


Damit ist alles gesagt - Bleib wie du bist - aus deinen Affen ist doch mit unseren Tips ein (verbessertes) Foto geworden?
In ein offizelles Buch haben es meine Bilder noch nicht geschafft, da kannste wirklich stolz sein.
Ich nur einen kleinen Tip, wenn du das nächste mal fotografierst und das Motiv im Zentrum hast, halte die Luft an, halte die Kamera gerade und drücke dann auf den Auslöser nachdem du langsam ausgeatmet hast, aber denau an dem Punkt bevor du wieder einatmest.

Ich bin ja erst 70 und als Schnösel lerne ich jeden Tag etwas dazu, denn das Ende ist noch weit. :rock
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Re: Ein hoffnungsloser Fall?

Post Number:#3  Ungelesener Beitragvon lupussilvae » Sa 16. Dez 2017, 18:40

Hai Dogmai,

Zweifel und Selbstreflexionlbert ist das, was uns weiterbringt. Engelbert hat schon einen Ausweg aus Deinem Dilemma aufgezeigt.
Ich antworte mit einem Gleichnis. Ein weiteres meiner Hobbis ist zeichnen. Ich werde nie ein Moebius, Busch, Franquin, .... sein. Dennoch zeichne ich meine Strichmännchen und kein Whiteboard ist vor mir sicher. In meiner Ausbildung reichte es auch mal für ein Taschengeld gegen Zeichnungen.

Also bleibe Du selbst und optimiere das.

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Re: Ein hoffnungsloser Fall?

Post Number:#4  Ungelesener Beitragvon Markus » Sa 16. Dez 2017, 18:44

Was für Erwartungen hast du denn an dich selber? Oder andere an dich? Wenn du nicht auf Kommando abliefern musst ist doch alles gut :zwinker


PS: Bitte nicht vergessen, dass andere deine Fotos nicht mit deiner Emotionalität (oder überhaupt mit einer) sehen.
Mit lichtografischem Grüßle - Markus
 
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Re: Ein hoffnungsloser Fall?

Post Number:#5  Ungelesener Beitragvon eulecasper » Sa 16. Dez 2017, 19:39

 
Solange Dir deine Fotos gefallen, ist doch alles im Lot.

Wenn Dir irgendwann die Entwicklung eines deiner Fotos durch jemand anderen besser gefällt, als deine eigene, und Du den Wunsch verspürst, das auch hinzukriegen, wirst Du von Dir aus aktiv werden.
 
Zuletzt geändert von eulecasper am Sa 16. Dez 2017, 20:19, insgesamt 1-mal geändert.
Viel Gruß
Klaus


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Re: Ein hoffnungsloser Fall?

Post Number:#6  Ungelesener Beitragvon Bea64 » So 17. Dez 2017, 01:15

Wichtig ist erstmal das dir die Bilder gefallen die du machst... es sind DEINE Bilder. :zwinker

Wenn es dich interessiert; warum nicht einen Fotolehrgang - ich denke man muss aber auch nicht alle "Regeln" beherrschen, umsetzen und überhaupt... wer macht die "Regeln".

Bezüglich der Bildbearbeitung: weniger ist manchmal mehr und zuviele Programme verwirren nur. Konzentrier dich noch mal nur auf ein oder maximal 2 Programme... wenn das Interesse vorhanden ist.
Grüssle von Bea :winken3
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Re: Ein hoffnungsloser Fall?

Post Number:#7  Ungelesener Beitragvon lupussilvae » So 17. Dez 2017, 10:04

... Regeln. Das ist fast wie ein Stichwort. Regeln sind das, was die Schwimmflügel für den Nichtschwimmer sind. Irgendwann läßt man sie rechts (oder links :kicher) liegen und zieht seine eigenen Bahnen, auch durch tiefere Wasser. Und Bea hat recht: ein Programm reicht und die anderen Programme bieten Funktionen, die man in seinem Lieblingsprogramm nicht findet bzw. nur schwer umsetzen kann. Auf Neudeutsch: die zusätzlichen Programme sind nur features.

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Re: Ein hoffnungsloser Fall?

Post Number:#8  Ungelesener Beitragvon marshaj-sol » So 17. Dez 2017, 12:54

Die besagten Regeln sind doch nicht entstanden um den Fotografen zu gängeln!

Sie ergeben sich in den meisten Fällen aus der Empfindung der Masse der Betrachter und sollen dazu führen, dass Bilder als interessanter, das Auge anziehend oder stimmungsvoller empfunden werden.
Leider ergibt sich daraus in unserer Gesellschaft sofort die Möglichkeit, alles verbissen zu sehen und anderen Leuten Vorschriften zu machen.

Ein Bild, bei dem man in etwa dem Aufbau nach dem goldenen Schnitt gefolgt ist, wirkt meist automatisch einfach besser, sonst nichts. Wenn eine Person an der Seite des Fotos hinausläuft wirkt das seltsam. Und wenn der Künstler das nicht beachtet hat, dann hatte er seine eigenen Gründe von "künstlerischer Sicht" bis hin zu "keine Lust".

Wenn die Bilder unscharf oder schief oder sonstwie unnatürlich sind muss er sich aber auch damit abfinden, dass sie ggf. von der Mehrzahl der Betrachter unbeachtet bleiben. Allerdings besteht auch die Möglichkeit, dass sie dadurch bei Einzelnen besonderes Interesse hervorrufen und man zum angesagten Künstler wird ....
Viele Grüße aus der Lüneburger Heide,
Hans-Jürgen
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