Theorie: Sterne mit Landschaft

Theorie: Sterne mit Landschaft

Post Number:#1  Ungelesener Beitragvon tankred » Sa 14. Feb 2015, 14:58

Hallo,

wie versprochen gibt es jetzt ein erstes Thema für den Astrofotografie-Workshop. Das erste Thema lautet:

Sterne mit Landschaft fotografieren

Das Thema Sterne mit Landschaft eignet sich gut für den Beginn, weil es technisch recht einfach umzusetzen ist.

Wo fotografieren wir?

Wichtig ist zunächst der Standort. Wir brauchen einen dunklen Standort der möglichst weit weg von störenden Lichtquellen ist. Hilfreich bei der Suche kann Google Earth sein, trotzdem empfehle ich es, den Ort vorher einmal im hellen aufzusuchen.

Wichtig ist vor allem dunkler klarer Himmel in Blickrichtung, also vor allem Richtung Süden. Auf geeignetes Wetter muss man unter Umständen gerade um diese Jahreszeit lange warten…

Wenn das Bild schön werden soll, muss der Standort auch was hergeben, da er unten mit aufs Bild kommt. Was ihr als Vordergrund nehmt, ist eigentlich egal, das können Bäume sein (wenn davor genug Platz ist), ein See, Felsen oder ein Blick auf Hügel oder Gebirge. Schnee macht sich auch immer gut auf solchen Bildern. Ich denke mal, da fällt euch was zu ein ;-)

Was fotografieren wir?

Um die ganze Sache etwas einfacher zu machen, fotografieren wir Sterne, die einfach zu finden und zu fotografieren sind. Um diese Jahreszeit steht der Orion abends gegen 20:00 prominent und gut sichtbar im Süden. Der Orion besteht aus vielen hellen Sternen, die drei Gürtelsterne bilden dabei ein einfach erkennbares Muster.

Die folgende Sternkarte (aus Cartes du Ciel) zeigt die Sterne in der südlichen Himmelshälfte für Mitte Februar gegen 20:00, Orion ist als Ori abgekürzt.


Um 22:00 ist alles schon weiter nach Westen gewandert.

Der eigenzeichnete rote Rahmen entspricht etwa dem Gesichtsfeld von 28mm Objektiven (18mm an Crop). Man sieht schon, man braucht schon viel Weitwinkel, um hier etwas hinzukriegen.

Ihr könnt diesen Plan ausdrucken und mitnehmen, alternativ sind auch die vielen Planetariums-Apps für Smartphone und Tablet empfehlenswert. Die haben dann auch gleich eine Kompassfunktion drin.

Wie fotografieren wir?

Wie schon gesagt, wir fotografieren mit viel Weitwinkel, 28mm oder kürzer (weniger als 18mm an Crop). Dann haben wir die Möglichkeit, die Belichtungszeit auf 20 bis 30 Sekunden auszudehnen und erhalten trotzdem einigermaßen punktförmige Sterne. Hoch-oder Querformat könnt ihr entscheiden, wer will kann auch Panoramen versuchen. Die Blende machen wir weit auf, wir blenden höchstens leicht ab. Da wir viel Licht brauchen, muss die ISO hoch, ich würde etwas zwischen ISO1000 und ISO4000 vorschlagen. Der Himmel wird dabei deutlich hell, das muss auch so sein, sonst wirkt das Bild nicht.

Je nach Weißabgleich (natürlich fotografieren wir in RAW) erscheint der Himmel irgendwas zwischen rötlich-braun, grau und sehr blau. Das muss man hinter gefühlvoll beim Entwickeln korrigieren. Wenn künstliches Licht in der Nähe ist, macht sich das am Horizont durch gelbe Lichtglocken bemerkbar, manchmal vermischt sich das mit der Himmelsfarbe zu hässlichen Grüntönen. Diese Lichtglocken kann man mit Verlaufsfiltern (gibt es auch in LR) korrigieren, dabei kann man neben der Helligkeit auch die Farben gut korrigieren. Der Himmel soll durch die Bearbeitung nicht schwarz werden!

Ein Beispielbild aus dem Februar 2013, aufgenommen auf der Velmerstot im Teutoburger Wald, zeigt ein denkbares Ergebnis, hier ist auch das Problem der Lichtglocke zu erkennen. Dieses Bild ist ein Panorama aus 18mm Hochformataufnahmen.


Noch ein Tipp zum Fokussieren: Ich fokussiere oft per AF auf einen Sendemast oder eine andere weit entfernte Lichtquelle und stelle dann de AF ab. Damit sollte eigentlich jeder scharfe Aufnahmen hinbekommen.

Zusammenfassung:

Belichtungsparameter:
  • Weitwinkel: 28mm oder kürzer (weniger 18mm an Crop)
  • Belcihtungszeit 20-30s
  • Blende auf, nur leicht abblenden (f/3.5 bis f/5)
  • ISO zwischen 1000 und 4000, der Himmel soll sichtbar hell werden!

Daran denken:
  • Vorsicht nachts in der Natur!
  • Warm anziehen!
  • Taschenlampe und Ersatz mitnehmen!
  • Sternkarte oder Handy-App hilfreich
  • Ihr braucht ein Stativ
  • DSLR und Weitwinkel einpacken
  • Fern- oder Drahtauslöser hilfreich

Viel Spaß und Erfolg euch allen!
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Re: Theorie: Sterne mit Landschaft

Post Number:#2  Ungelesener Beitragvon tankred » Sa 14. Feb 2015, 15:06

Der Bilder-Thread zu diesem Thema ist online! Bilder bitte dort einstellen. Hier können allgemeine technische Fragen diskutiert werden.

Gruß und viel Spaß,
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Re: Theorie: Sterne mit Landschaft

Post Number:#3  Ungelesener Beitragvon Markus » Sa 14. Feb 2015, 20:45

Herzlichen Dank Tankred für die gute Einführung in die Astrofotografie, ich werde mich beim nächsten klaren Nachthimmel mal warm einpacken und schauen, ob ich was vom intergalaktischen Licht abbekommen :rock
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Re: Theorie: Sterne mit Landschaft

Post Number:#4  Ungelesener Beitragvon Coralita » Sa 14. Feb 2015, 21:26

Vielen Dank Tankred!

Und nu bin ich gespannt wer was hier so produzieren wird und freu mich auf eure Bilder und Erkenntnisse :yes
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Re: Theorie: Sterne mit Landschaft

Post Number:#5  Ungelesener Beitragvon Coralita » Mo 20. Apr 2015, 21:26

Huhu ihr,

heute mittag gelesen:

Sonne, Mond und Sterne im Mai

Vielleicht ein Anreiz für den einen oder anderen von euch, für ein Sternendate und sich an das Thema ran zu trauen? :winken3

Liebe Grüße

Katja
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Re: Theorie: Sterne mit Landschaft

Post Number:#6  Ungelesener Beitragvon inku » So 20. Mär 2016, 13:47

In der letzte c't Fotografie 02/16 war ein interesaanter Artikel von Helmut Schnieder.

Er hat folgene Empfehlung für die Kameraeinstellungen angegeben:

Er fotografiert grundsätzlich in RAW und verwendet
Brennweite: 14 - 35 mm an Vollvormatkameras.
ISO: zwischen 1.600 und 8.000
WB: zwischen 3200 und 4200 K, manuell eingestellt
Blende bei 24-35 mm leicht abgeblendet: Lichtstärke 1.4 auf 2.0,
Um Beeinträchtigungen durch Koma-Fehler zu vermeiden muss bei den Canonobjektiven EF 24mm f/1.4 auf 4.0 und beim EF14mm f/2,8 auf 5.6 abgeblendet werden. Das Nikkor 14-24mm f/2.8 und das Tamron 15-30mm f/2.8 sind schon ab Offenblende Komafrei. Die Sigma-Art-Festbrennweiten 20mm f/1.4 und 24mm f/1.4 sind ab f/2.8 oK.
Um Strichspuren der Sterne durch die Erdrotation zu vermeiden empfiehlt er die 450-Regel für Vollvormat und 300-Regel für APS-C-Format, d.h.
450 / Brennweite = max. Verschlusszeit
Nach dem ersten Foto macht er eine Bildkontrolle und wenn das Histogramm links abgeschnitten ist erhöht er den ISO-Wert um eine Drittelstufe.

Anmerkung:
Der dunkelste Ort in Deutschland liegt 80 km westlich von Berlin - Westhavelland zwischen den Dörfern Witzke und Görne.
Zuletzt geändert von inku am So 20. Mär 2016, 14:05, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Theorie: Sterne mit Landschaft

Post Number:#7  Ungelesener Beitragvon tankred » Mo 21. Mär 2016, 00:07

Hallo, danke Engelbert für die Informationen. Im großen und ganzen steht da ja das selbe, was ich auch schon gesagt habe.
Der Vorschlag, den linken Rand des Histogramms zu beachten, ist gut. Die Erhöhung der ISO in drittelschritten ist meiner Meinung nach überholt. Zum einen ist der sichtbare Helligkeitsunterschied bei 1/3LW gering, und bei den aktuellen Sensoren (die die vorgeschlagenen ISOs überhaupt ermöglichen) sind quasi isoless, so dass man die feineinstellung der Helligkeit besser am Rechner vornimmt, der Qualitätsunterschied ist praktisch bis 2LW nicht bemerkbar.

Die Ausführung zur Koma ist richtig, da muss man sich bei jedem objektiv informieren oder testen. Eines der interessantesten Weitwinkel im Crop Bereich fehlt hier übrigens, nämlich das Tokina 11-16/2.8. Für den preisbewussten Fotografen kann auch dessen Vollformat Pendant von Tokina interessant sein.

Tankred

(vom Handy gesendet)
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Re: Theorie: Sterne mit Landschaft

Post Number:#8  Ungelesener Beitragvon BerndG » Do 24. Mär 2016, 18:19

:danke
Jetzt muss ich erst recht mal einen Versuch starten und aus meiner Komfortzone rauskommen. In der Stadt ist eigentlich nix mit Himmel nachts fotogrfieren.
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Re: Theorie: Sterne mit Landschaft

Post Number:#9  Ungelesener Beitragvon Markus » Do 24. Mär 2016, 22:09

BerndG hat geschrieben::danke
Jetzt muss ich erst recht mal einen Versuch starten und aus meiner Komfortzone rauskommen. In der Stadt ist eigentlich nix mit Himmel nachts fotogrfieren.


Hach - du und deine Komfortzone Stadt - ich muss aufm Land aus meiner Komfortzone Bett - ist auch nicht besser :lollaut
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Re: Theorie: Sterne mit Landschaft

Post Number:#10  Ungelesener Beitragvon inku » Fr 25. Mär 2016, 09:29

Ich warte auch immer noch auf den ultimativen Himmel. Seit Tagen nur Wolken und Schnee. Es reicht :nerv
Zuletzt geändert von inku am Fr 25. Mär 2016, 09:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Theorie: Sterne mit Landschaft

Post Number:#11  Ungelesener Beitragvon BerndG » Sa 26. Mär 2016, 13:18

Markus hat geschrieben:Hach - du und deine Komfortzone Stadt - ich muss aufm Land aus meiner Komfortzone Bett - ist auch nicht besser :lollaut


Das Problem habe ich nur morgends - warm & Bett. :zwinker Man könnte doch einfach länger aufbleiben...
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