Superweitwinkel – glory superwide angle …

Glory superwide angle, das sagte mein Prof zu diesen Objektiven. So lange gibt es sie noch gar nicht. 1935 gab es ein 28mm das war unglaublich. Es wurde neben dem 35er zur Standardreportagebrennweite. Interessant wird es aber bei 20mm. Das ist meine Lieblingsbrennweite im Weitwinkelbereich. Je weiter man nach unten geht um so schwerer sind sie zu handhaben.

Was mache ich nun mit so einen SSW? Brauche ich eins oder muss man eins haben? Nun ich musste eins haben. Das Standardobjektiv mit 50mm war total langweilig. Ich sah in den Büchern und Zeitungen diese grandiosen Bilder, die mit riesigen Teleobjektiven oder gigantischen Weitwinkelobjektiven gemacht wurden. Alles andere als langweilig. Es wurde irgendwann ein Super-Angulon 21mm und später ein Elmarit 19mm. Nun da passt viel drauf auf das Bild. Genau das ist das Problem bei diesen Dingern. Es passt einfach zu viel drauf. Mit einen 90mm kann ich mir aus meinen 50mm Blick den passenden Motivausschnitt heraussuchen und mein Bild schön aufbauen. Mit einen 50mm geht das auch noch ganz gut. Aber mit 20mm und mehr? Da wird der Kamerastandort enorm wichtig. Ich sehe viel mehr als ich normal sehe und diesen ganzen Kram der da vor mir ist muss ich sauber geordnet auf das Bild bekommen damit es ein Bild wird. Hinzu kommt das ein Weitwinkel die Bildtiefe dehnt und den Vordergrund betont. Ihr kennt alle die Lamdschaftsbilder – der See in den Bergen, Das Bergmassiv spiegelt sich darin und vorne links ist ein großer Stein.

Da wir nun wissen das ein Weitwinkel den Vordergrund betont sollten wir es bei der Bildgestaltung auch einsetzen sonst werden die Bilder genau so langweilig wie mit einen 50mm. Ich nutze die gesamte Dynamik nie aus. ich versuche es eher immer ein wenig dezenter damit man nicht sofort sieht das es ein 20mm ist. Bei den folgenden Bild habe ich es aber dann doch mal gemacht aber es geht noch dynamischer.

(c) Holger Grosz

(c) Holger Grosz

Nun zeige ich einige Bilder von Städtereisen wo ich es versucht habe es dezenter einzusetzen.

(c) Holger Grosz

(c) Holger Grosz

(c) Holger Grosz

Bei SW ist das alles noch noch recht einfach. Man braucht ja nur auf Formen, Linien, Flächen und Kontraste achten. Wenn die Farbe mit ins Spiel kommt kommt auch ein entscheidender Gestaltungsfaktor mit hinzu – die Farbe. Früher sagte man immer auf ein Farbfoto muss was rotes sein. Genau so ein Blöder Spruch wie: „Sonne im Rücken musst du drücken“. Aber so verkehrt ist das nicht wie man beim Bild 4 sehen kann. Das Weitwinkel betont den Vordergrund und da steht in rot „Danger“ – das knallt dann doppelt.

Nun mal ein paar Bilder aus alten Zeiten …

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(c) Holger Grosz

(c) Holger Grosz

Bisher habe ich eher den freien Einsatz eines Weitwinkels gezeigt. Es ist immer verlockend wenn was nicht auf das Bild zum Weitwinkel zu greifen wenn möglich ohne stürzende Linien. Nun auf den bisherigen Bildern stürzen sie, da das Bild aber eine Einheit ist stört es mir nicht. Aufnahmen ohne Stürzende Linien habe ich nur sehr wenige. Warum? Weil ich zu faul bin die Kamera auf ein Stativ zu packen und alles mühselig auszurichten. Man braucht schon einen sehr präziesen Kugelkopf oder besser noch einen 3D Getriebeneiger zum Preis einer Kamera. Wenn man sich auf reine Architektur spezialisiert hat macht das auch Sinn aber nicht für mich. Nun eins von den wenigen geraden Bildern ohne Stativ …

(c) Holger Grosz

Das Problem mit den geraden Bildern ist – man braucht ausreichend Abstand. Dann geht das schon. Nur hat man dann vorne so viel gähnende leere – das macht alles kaputt oder man beschneitet zu einen Quadrat was ja auch nicht Sinn und Zweck der Sache sein kann.

Bei einem Weitwinkel habe ich das Hauptmotiv hinten und einen langweiligen Vordergrund. Denn muss ich interessant gestalten. Wenn ich etwas schöne sehe, nicht einfach die Kamera hoch auslösen sondern im Vordergrund nach etwas passendes suchen was man mit in das Bild einbeziehen kann. Also völlig umgekehrt als bei einem Portrait wo das Hauptmotiv im Vordergrund ist ich aber besonders auf den Hintergrund achten muss damit nichts aus dem Kopf wächst oder das Bokeh gruselig wird.

(c) Holger Grosz

Ein gerades habe ich noch gefunden. Ohne diese Insel und Laterne hätte zwar alles gerade auf das Bild gepasst aber die hälfte des Bildes bestände aus gähnende Leere.

(c) Holger Grosz

Am liebsten lasse ich es aber krachen. Wenn es schon nicht gerade geht dann lässt man richtig kippen …

(c) Holger Grosz

(c) Holger Grosz

(c) Holger Grosz

Noch was zum Thema krachen lassen …

(c) Holger Grosz

(c) Holger Grosz

Regeln sind im Straßenverkehr schon vorteilhaft aber wenn man mal in Afrika mit dem Auto unterwegs war dann hat man erfahren das es selbst im Straßenverkehr ohne Regeln geht.

Wir haben doch im Alltag auf genug Regeln zu achten. Sollen wir uns damit auch noch das Hobby vermiesen was uns eigentlich Spaß machen soll? Natürlich geht es nicht ganz ohne Regeln oder besser gesagt Gestaltungstipps. Wenn wir alle nur noch Bilder machen würden die nach einen streng abgearbeiteten Regelwerk entstanden sind dann würde doch alles gleich aussehen. Wie langweilig.

Habt Spaß an der Fotografie!

Der Kamerastandpunkt ist aber schon sehr wichtig. Mit einem leichten Tele von 90mm kann man einen Meter ruhig nach rechts oder links gehen. Bei einem Motiv in 10 Meter Entfernung passiert da wenig. Mit einen Superweitwinkel passiert in 10 Meter Entfernung auch nicht viel aber im Vordergrund passiert sehr viel. Sehr oft taste ich mich mit der Kamera am Auge an das Motiv heran und beobachte wie sich der Vordergrund verändert und ob sich eine Einheit mit dem Hintergrund herstellen lässt.

Wir laufen mit einem Blickwinkel von 46 Grad durch die Welt und das schon viele Jahre. Der Augenoptiker wird einen möglichen Blickwinkel von 180 Grad messen nur nutzen wir den nicht. Wir müssen also unser Auge schulen die gegebenen Möglichkeiten zu nutzen. Ein Zoom hilft uns dabei nicht. Wir werden am unteren Ende landen weil am meisten darauf passt. Ein weiteres Problem verstärkt sich je weiter man nach unten geht um so größer werden die Probleme die so große Blickwinkel mit sich bringen. Wenn man wirklich Kerzengerade fotografieren möchte dann muss die Kamera 100%tig genau ausgerichtet sein. Da hilft eine Wasserwaage nur ein wenig. Sie ist aber zu ungenau. Wenn man es wirklich genau machen möchte müsste man Laserentfernungsmeser den genauen zentralen Kamerastandpunkt herausfinden. Aber wir wollen es mal nicht übertreiben.

Wie viel Weitwinkel brauche ich denn nun? Um so mehr um so besser? Alle meine bisherigen Bilder sind mit 19 bzw 21mm an dem vollen Kleinbildformat gemacht worden – also FX wie das heute so schön heißt. Die Festbrennweiten beginnen bei 13mm, gefolgt von 14mm, 15mm, 18mm und 20mm. Die Zooms liste ich erst gar nicht auf. Wie ich schon geschrieben habe mag ich die 20mm. Diese Brennweite kann man noch sehr gut beherrschen. Je weiter man nach unten geht wird es immer komplizierter und das Einsatzgebiet wird spezieller. Ich hatte die 14mm an Dx das ist ungefähr 21mm. an meine Fe hatte ich es nur ein einziges dran – das war mir einfach zu viel. Das ging gar nicht. Das Bild zu ordnen war fast unmöglich. Eine sehr spezielle Brennweite. genauso speziell wie ein 800mm. Nur es lässt sich leichter transportieren und einsetzen. Die Gefahr besteht aber darin das man es nur einsetzt damit viel auf das Bild past und das ist einfach zu wenig.

(c) Text und Fotos Holger Grosz – zu finden bei uns im Lichtografienforum und auf Facebook Holger Grosz

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2. Februar 2015