Mein Workflow - Sportevent mit 6000 Bildern

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BerndG
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Mein Workflow - Sportevent mit 6000 Bildern

Ungelesener Beitrag von BerndG » Di 22. Dez 2015, 23:27

Rahmenbedingung
Worst-Case Sport-Event: Internationale Württembergische Damen-Tennis-Meisterschaften um den Stuttgarter Stadtpokal
Preisgeld: 25 Tsd. US$
http://www.itftennis.com/procircuit/tou ... 1100034643

Zeitplan:
Sonntag: Sign-In, Auslosung der Qualifikationsbegegnungen
Montag: Qualifikationsspiele / Vorrunde
Dienstag: Qualifikationsspiele / Vorrunde
Mittwoch: Quali Doppel, Vorrunde Einzel
Donnerstag: Achtelfinalspiele Doppel/Einzel
Freitag: Viertelfinalspiele Doppel/Einzel
Samstag: Semi-Finals Doppel/Einzel
Sonntag: Finals Doppel/Einzel

Parallel findet am gleichen Wochenende Sa/So noch ein Turnier der Kleinen statt - Jungs und Mädels im Alter von ca. 10 Jahren plus/minus.

Benötigt werden jeden Tag während der Veranstaltung Bilder für:
- Spielerinnenliste mit Bildern (Headshots) für das Büro und die Beteiligten, um einfach Namen zu lernen
- Für jeden Morgen 1-3 Bilder für den Email-Newsletter und Flyer mit kleinen Berichten, Uhrzeiten, den Spielergebnissen des Vortages und Spielplan des kommenden Tages
- ca. 5-10 Bilder für meinen Blog; nochmals ca. 10 Bilder für die Turnierhomepage und Facebook

Im Nachgang und Vorbereitung für das Turnier im Folgejahr werden dann noch Bilder für die Vereins-/Turnierzeitschrift benötigt:
- ca. 40 Bilder als Turnierimpressionen (alle Bereiche, Spieler, Events, Showeinlagen, Tombola, Gastronomie, Zuschauer, VIPs, ...)
- Bilder von der Siegerehrungen, Aktionsbilder der Finalteilnehmerinnen
- 1 Bild für Werbe-Plakat und Titelbild der Zeitschrift
- diverse Bilder der Kinder von deren Turnier und deren Siegerehrung

So entstehen ca. 300-500 Bilder pro Tag an den Qualifikationstagen, ca. 700-800 Bilder pro Tag am Donnerstag und Freitag und ca. 1000-1500 Bilder pro Tag am Wochende. Also ca. 6000 Fotos in einer Woche, die von der Kamera auf die Festplatte wandern.

Mein Workflow in dieser Woche:
- Tagsüber Motive "jagen"
- Nachts Download, Selektion der Bilder; Weiterleitung an den Pressewart; Schreiben meine Blogeintrages mit eigenen Bildern; Upload auf Turnierseite in die Galerie

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BerndG
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Re: Mein Workflow - Sportevent mit 6000 Bildern

Ungelesener Beitrag von BerndG » Di 22. Dez 2015, 23:31

Step 0: Vorbereitungen
- Template für die Konvertierung in XnViewMP anlegen mit Auflösung, Copyrightinfos und Nachbearbeitungen/Optimierungen die per Stapel über die Bilder gejagt werden.
- Templateerstellung einer allgemeinen Verzeichnisstruktur, was so die auftretenden Randthemen (Gastronomie, Sponsoren, Showeinlage, Zuschauer, Sonstige, ...) sind und jeden Tag dann einfach mal leer reinkopiert werden kann.
Täglich Akkus laden, auch den Ersatzakku, Speicherkarten vorab checken und frisch formatieren; Fototasche/-rucksack checken. Die Linsen putzen.

Step 1: Bilder "jagen"
- Tagsüber werden Motive gejagt, die Speicherkarte(n) voll und die Akkus leer gemacht
- Während des Fotografierens gibt es immer wieder Pausen, in denen Bilder bereits in der Kamera gelöscht werden (langweilig, technisch nicht okay)
- Man kann sich die folgende Sortierarbeit bereits beim Knipsen etwas vereinfachen. Ich gehe hin und fotografiere immer als erstes die Platznummer bevor ich die Teilnehmerinnen fotografiere. Das erste Foto ist immer ein Porträt der Teilnehmerin auf der linken Spielfeldhälfte, das zweite das der Teilnehmerin auf der rechten Seite. Der dritte Schuss gilt i.d.R. dem Schiri. Der vierte Schuss (nur am Wochenende) ist dann die Anzeigetafel, auf der die Namen der Teilnehmerinnen verzeichnet sind, die gegeneinander antreten. Es ist dann schon etwas Disziplin gefragt sich nicht mal schnell umzudrehen und den benachbarten Court zu fotografieren. Und wenn auf dem Nachbarcourt gerade die Post abgeht, so sind mindestens 1-2 Bilder zur Identifikation der Spielerinnen und der Platznummer notwendig. In Kombination mit dem Spielplan sind die Bilder dann schnell in die Unterverzeichnisse verteilt, ohne dass man sich jedes Bild im Viewer einzeln ansehen muss.
Brauche ich beim Fotografieren weitere "Marker", so fotografiere ich meine Finger mit der Pose eins bis fünf. Das fällt im Viewer ebenfalls richtig auf und strukturiert bereits die Reihenfolge der Bilder. Klar ist das Platzverschwendung (RAW+JPG = ca. 30 MB) - aber "schnell" ist das Zauberwort. Und diese Bilder werden nachträglich beim Aufräumen ja eh gelöscht.
- Es spricht mich immer wieder mal jemand an, ob er nicht dieses eine Bild von sich und/oder Tochter/Sohn haben könnte. Auch die Spielerinnen sind an Ihren Bildern interessiert. Hier lasse ich mir die Mailadresse auf einen Zettel schreiben (evtl. ergänze ich noch ein paar Hinweise), mache einen Schnappschuss der Person und fotografiere dann den Zettel mit der Kontaktadresse.
- Bei der Anmeldung zum Turnier schreibe ich mir den Namen auf einen Zettel, fotografiere diesen und erstelle dann ein Portraitaufnahme. Daraus wird eine kleine Liste für das Büro erstellt und hilft beim Lernen der Namen. Auf dem Spielfeld sehen die Mädels allerdings immer irgendwie anders und "einheitlicher" aus.

Step 2: Bilder von der Kamera runter ziehen
Kamera an den Laptop anschließen und mittels der kameraeigenen Software die Bilder herunterladen; dabei werden diese bereits nach dem Muster "YYYY_MM_DD_LfdNr" umbenannt und jeweils pro Tag in einen eigenen Unterordner abgelegt.
Mit Hilfe des "Verzeichnistemplates" werden dann im Tagesverzeichnis noch die Standard-Unterverzeichnisse angelegt - zusätzlich noch weitere Unterverzeichnisse für jede einzelne Begegnung.

Step 3: Bilder auf die Verzeichnisse verteilen
Mittels Total Commander werden alle RAWs im Verzeichnis belassen und die JPGs in einen separaten externen Ordner verschoben. Die JPGs dienen lediglich als zus. Sicherung und unterlaufen dann auch nicht mehr den Prozess.
Mit Hilfe von XnViewMP http://www.xnview.com/de/xnviewmp/ (einfach schneller als Lightroom) werden dann die Previews in einer Übersicht angezeigt und dann thematisch blockweise in die Unterverzeichnisse verschoben.
Hier helfen die Bilder (Markern) mit den Platznummern und den Fingern etc. unheimlich weiter. Vereinfacht alle Bilder von der ersten Markierung bis zur nächsten markieren und komplett dann verschieben.

Step 4: Sichtung und Löschen des Ausschusses
Ich gehe dann durch jedes einzelne Unterverzeichnis (eigentlich nur die relevanten) und lösche in einem ersten schnellen Durchgang alle Bilder, die unscharf, eine andere technische Macke haben oder einfach nur langweilig sind. Sollte mir hierbei schon ein Bild ins Auge springen, so wird ein Stern vergeben - eventuell bereits ein zweiter.
Schnell meine ich hierbei wörtlich. Pro Bild max. 1 Sekunde - eher weniger. Klar geht da noch zuviel durch - aber egal. Die Menge muss erst mal eingedampft werden.

Step 5: Auswahl aus der großen Selektion
Jetzt gehe ich abermals die relevanten Unterverzeichnisse durch, setze einen Filter auf 1 bzw. 2 Sterne und schaue, ob ich bereits das habe was ich brauche. Falls nein, dann muss ich das Verzeichnis halt nochmals durchsehen.
Relevante Verzeichnisse sind diejenigen, die Bilder für den jeweils in der Nacht benötigten Verwendungszweck beinhalten. Ziel ist es min. 1-2 Bilder pro Bereich zu finden. Das müssen nicht unbedingt die Top-Shots sein, die Auswahl soll den vergangenen Tag repräsentieren.
Über diese Bilder wird dann die Stapelverarbeitung gejagt, welche die Bilder verkleinert, mit Copyright/Wasserzeichen versieht, mittels Automatiken die Farben, Kontraste und Schärfe bearbeitet und als JPG in ein separates Verzeichnis exportiert. Abschließend noch ein Check der exportierten Bilder, ob die Automatiken nicht daneben gegriffen haben.

Step 6: Finale Selektion und Pakete schnüren
Mit dem Viewer gehe ich nun über die selektierten und konvertierten Bilder drüber. Das sind meist immer noch zu viele. :-)
Also weiter Selektieren mittels A/B-Vergleich und dann "Portionen" für den jeweiligen Weiterverwendungszweck (Newsletter, Turnierhomepage, Hand-Out "Daily News" und den eigenen Blog) erstellen.

Step 7: Upload der Bilder
Die Bilder werden dann per Mail, Dropbox und Webspace für die Weiterverwendung an die Kollegen weitergegeben. Die kümmern sich dann um Turnierseite, den Newsletter und dem "Handzettel" zum anstehenden Tag.

Step 8: Blogeintrag schreiben
Dann schreibe ich meinen Blogeintrag und verlinke diesen in Facebook.

Step 9: Nacharbeiten
- Zusätzliche Datensicherung der Bilder auf eine externe USB-Platte und nochmals auf dem NAS
- Die Bilder verbleiben erst mal auf dem Laptop.
- Erst jetzt wird die SD-Karte gelöscht.

Step 10: Import in Lightroom
Über Nacht wird nun das Verzeichnis des Tages in Lightroom importiert (Copyrightinfos und globale Schlagworte inklusive), die Previews generiert und die Gesichtserkennung läuft auch noch drüber. Das dauert dann doch eine ganze Ecke - aber dafür ist die Nacht ja da.
Sollte ich unter tags dann Bilder benötigen, so habe ich das Laptop mit LR dabei und kann dann bei Bedarf Vor-Ort gezielt ein Bild aussuchen, ggf. entwickeln und weiterleiten.

Step 1 bis 10 wiederholt sich dann täglich. Was macht man nicht alles für einen Verein... :-)


Nach der Veranstaltung - ca. 2 Wochen später
Nach der Veranstaltung nehme ich erst mal etwas zeitlichen Abstand, vergebe ein paar zus. Schlagworte und arbeite auch die Namen nach. Sollte ich hierbei nochmals "Schrott" finden, so wird dieser gelöscht. Sind Bilder in ein falsches Verzeichnis einsortiert, so wird auch dieses korrigiert und in das richtige Verzeichnis verschoben. Dann suche ich meine Favoriten, entwickle und bearbeite diese.
Es folgt die Datensicherung und die während der Woche entstandenen JPGs werden einfach gelöscht.

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Re: Mein Workflow - Sportevent mit 6000 Bildern

Ungelesener Beitrag von Markus » Mi 23. Dez 2015, 09:42

Danke Bernd für die ausführliche Beschreibung deines Workflow. Er liest sich schnell, effizient und praktikabel. Und ist doch noch mit einer Menge Arbeit verbunden.

Wenn ich dich richtig verstanden habe importierst Du zunächst die Bilder mit einer Canon-Software (?) und indizierst sie anschließend mit XnView MP. Danach verschieben der JPG/RAW-Verzeichnisse mittels Total Commander und finaler Import in Lightroom. Dass XnView schneller als LR ist glaube ich gern - aber warum der Import mit der proprietären Software und das Verschieben der Verzeichnisse mit Total Commander?

Und noch eine Frage zu LR: Wie zufrieden bist du denn mit der Gesichtserkennung? Im "daily business" wirklich brauchbar oder nur ein nettes ad-on?
Mit lichtografischem Grüßle - Markus
 

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Re: Mein Workflow - Sportevent mit 6000 Bildern

Ungelesener Beitrag von BerndG » Mi 23. Dez 2015, 10:28

Hi Markus,

das mit der Canon-SW ist noch ein Relikt und eigentlich nur meiner Dateibenennung "YYYY-MM-TT-1234" geschuldet. Wenn ich in LR importiere, dann kann ich das mit einem entsprechenden Template sicher auch machen.
Da ich in dieser Woche mit RAW und JPG shoote (aus Redundanz) und XnViewMP aber mir zwei Bilder anzeigt und nicht die beiden zusammenfasst, schiebe ich die JPGs einfach weg. Mit TotalCommander (es gibt genügend andere Programme die besser sind als der Win-Explorer) ist das mit drei Shortcuts erledigt. Alle JPGs selektiveren mittels Filtereingabe und dann eine F-Taste für das verschieben in ein anderes Verzeichnis. Somit bleiben mir nur noch die RAWs übrig.

Was die Gesichtserkennung betrifft, so wollte ich mal einen Blogeintrag dazu schreiben. Da bin ich echt zweigeteilt.
Frontalbilder sind super geeignet und es ist fast schon erschreckend, dass aus einer Aufnahme der Tribühne zig Gesichter erkannt werden, egal wieviel Bukeh da drüber liegt. Halbprofil oder Überkopf-Aufnahmen dagegen erkennt er fast gar nicht. Was dann richtig doof ist, es gibt irgendwie keinen Knopf bei dem man die Gesichtserkennung nochmals drüber rutschen lassen kann. Wenn ich also Vorschläge verwerfe, dann sind die auch weg. Auch habe ich noch nicht kapiert, warum er bei Gruppenaufnahmen manche Gesichter nicht erkennt und manche doch.
Ich denke, da ist noch viel Potential drin. Für vieles ist es mir (im wesentlich bei Familienbilder) eine Vereinfachung in der Findung "Oma mit Enkel". :smile

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Re: Mein Workflow - Sportevent mit 6000 Bildern

Ungelesener Beitrag von Markus » Mi 23. Dez 2015, 11:41

BerndG hat geschrieben:Hi Markus,

das mit der Canon-SW ist noch ein Relikt und eigentlich nur meiner Dateibenennung "YYYY-MM-TT-1234" geschuldet. Wenn ich in LR importiere, dann kann ich das mit einem entsprechenden Template sicher auch machen.
Da ich in dieser Woche mit RAW und JPG shoote (aus Redundanz) und XnViewMP aber mir zwei Bilder anzeigt und nicht die beiden zusammenfasst, schiebe ich die JPGs einfach weg. [...]
Ah - ok. Bei LR hast du ja die Möglichkeit das JPG neben dem RAW entweder als separate Datei oder gemeinsam zu behandeln. Ich lese sie immer gemeinsam aus und lasse sie in entsprechende Unterordner schieben.
Mit lichtografischem Grüßle - Markus
 

Torsten

Re: Mein Workflow - Sportevent mit 6000 Bildern

Ungelesener Beitrag von Torsten » Sa 26. Dez 2015, 12:27

Hallo Bernd
Dein Ablauf liest sich ja generalstabsmäßig. :zwinker
Interessant auf jeden Fall einmal zu lesen wie Deine Arbeitsschritte aussehen.

Gruß Torsten
...

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